Prof. Dr. Siegfried Gohr

zu den Arbeiten von Julia Rothmund


Preisverleihung mfi Stipendium  I  2011


Während viele junge Künstler heute eine Motivwelt bearbeiten, die als Photos, Filmstills oder gedrucktes Material ihre Aufmerksamkeit weckt, hat Julia Rothmund leere Innenräume zu ihrem Thema gemacht.

Die Funktion der dargestellten Räume bleibt unklar – es könnte sich um Büros oder Wohnungen handeln, allerdings lässt sich erkennen, dass die Architektur wand- und fensterbetont ist, deshalb wohl vor einigen Jahrzehnten entstanden ist. Ob die Räume jemals bewohnt waren, lässt sich nicht erkennen. Es fehlen jede Spuren von Einrichtung oder künstlicher Beleuchtung. Deshalb haftet den Situationen etwas Geheimnisvolles, ja Unheimliches an. In früheren Arbeiten wird dieser Effekt verstärkt durch eine Weichzeichnung der Gegenstände, die zudem nur mit Tönen zwischen Weiß und Schwarz wiedergegeben sind. Die neueren, größeren Arbeiten verwenden sparsame Farben, so fein abgestuft wie vorher das Schwarz-Weiß.

Wenn nach motivischen Vergleichen für die Räume von Julia Rothmund gefragt wird, muss der dänische Maler Vilhelm Hammershoi genannt werden. Rothmund hat jedoch die bürgerliche Anmutung der dänischen Bilder ganz verlassen und anonyme Situationen geschaffen, in denen das Licht als dramaturgisches Element eine große Bedeutung gewonnen hat. Alles dies ist nur zu erreichen mit einer erstaunlichen malerischen Technik, welche die Künstlerin in die Lage versetzt, einzigartige Stimmungen zu erzeugen. Der Blick des Betrachters erfährt einen Sog, dem er kaum widerstehen kann. Gleichzeitig wird seine Phantasietätigkeit herausgefordert, denn es geht nicht mit rechten Dingen zu in dieser scheinbar kühlen und dennoch vor Spannung vibrierenden Bildwelt.

Julia Rothmund ist die Erschaffung einer ganz ungewöhnlichen Bildkonzeption gelungen, die sie eigenständig und hartnäckig erforscht in immer neuen überraschenden Bildlösungen.

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