Gertrud Peters

über Julia Rothmund


Kulturbahnhof Eller  I Rede Ausstellung I 2009


Ihre kleinen, fast monochromen Bilder fassen das Licht so greifbar in Farbe, dass ich bei diesen leuchtenden Werken an Lichtkünstler wie Dan Flavin oder James Turrell denken muss. Aber es sind Schichten von Ölfarbe und keine Farblicht-Röhren mit denen Julia Rothmund studierte bei Prof. Herbert Brandl arbeitet.

Licht und leere Innenräume stehen ihr Modell für ihr Werk. In Eller nutzte sie den Raum in dem wir stehen: sie fotografierte ihn, bearbeitete das Foto bis die Architektur ihren Vorstellungen entsprach und begann zu malen. In vielen Arbeitsgängen trägt sie Öl auf, kein Duktus ist zu erkennen, aus der Leinwand dringt die Farbe leicht und dicht ans Auge des Betrachters, getragen von einem diffusen, magischen Licht. Es ist nicht nur das „Beleuchtungslicht“, das von außerhalb des Gemäldes als Sonnenlicht gebündelt durch die Fenster fällt und die menschenleere Szenerie erhellt. Julia Rothmund lässt das Objekt in Helligkeit schimmern, was ein wenig an Impressionisten wie Renoir oder Monet erinnert. Wie Gerhard Richter mit seiner Wischtechnik führt Julia Rothmund mit Schichttechnik die Lichtnutzung  weiter und erhöht den abgebildeten Raum zu einem spirituellen, emotionalen Ort.

Dies geschieht klar, einfach und kann so ergreifend und beredt sein, wie bei ihrer Bilder-Serie der Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Die Räume des geschichtsträchtigen Grauens wirken bei Rothmund nicht harmlos, aber durch ein ausgewogenes Geflecht von Dunst und Licht gibt sie in ihren Bildern den ehemaligen Insassen nachträglich Würde.

Auch der Bahnhof Eller wirkt an dieser Wand erhaben: einmal in der Art eines S/W Fotos und einmal als farbiges Bild gemalt, wird er zur Kathedrale, zum Dom des Lichts. Hier kann die Sonne ihr Tageswerk tun und den Wandel der Jahreszeiten durchschreiten. Das Licht kann rätselhafte Schatten entwerfen und Räume entstehen und vergehen lassen binnen weniger Minuten. Dabei dauert es lange, es zu bannen. So ist das s/w Bild noch nicht vollendet: denn nicht der Duktus bestimmt seine Struktur, sondern die Zeit, die die Farbschichten zum Trocknen brauchen und die Ruhe, die die Malerin braucht, dies auszuhalten. Julia Rothmund wird an diesem Bild, an diesem Ort, weiter malen und damit der Menschenleere Seele einhauchen.

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