Daniel Schreiber

über Julia Rothmund


Monopol I Watchlist I 2009


Das Erste, was an den großen Leinwänden der Serie Illenau ins Auge fällt, ist die souveräne handwerkliche Qualität, der sensible Umgang mit dem malerischen Material. Kein Pinselstrick ist zu erkennen, die Bilder scheinen lediglich aus Licht und atmosphärischen Flächen zu bestehen. Das Öl leuchtet von innen heraus, und die Komposition ist so bestechend klar, dass sie sich in die Netzhaut einzubrennen droht, schaut man zu lange hin.

Julia Rothmund, 28-jährige Schülerin des Österreichers Herbert Brandl von der Kunstakademie Düsseldorf malt Räume. Kahle Räume. Die Beklemmung weitet sich schnell auf den Betrachter aus. Allein als Studien über Lichteinfall, Raumspiegelung und das Repressive, das der deutschen Klassizismusarchitektur innewohnt, wären die Arbeiten schon gelungen. Ihre konzeptionelle Tiefe aber legt nahe: Hier handelt es sich nicht nur um eine erstklassige Malerin.

Die von der Bühlerin ins Visier genommenen Säle entstammen, wie bereits der Werktitel verrät, der Illenau, einer heute größtenteils ungenutzten, schloßähnlichen Anlage im Schwarzwald. Mitte des 19.Jahrhunderts als fortschrittliche psychiatrische Anstalt erbaut, wurden nach dem Euthanasieerlass der Nazis 1940 von dort viele Patienten abtransportiert und ermordet. Im Anschluss diente der Komplex bis Ende des Zweiten Weltkrieges als Lebensborn-Heim zur Zucht der "arischen Rasse".

Die Leere von Julia Rothmunds Bildern ist eine vielfache: eine der Auslöschung, eine des Vergessens und eine der Ratlosigkeit, mit der wir unsere Geschichte gegenüberstehen.


http://www.monopol-magazin.de/artikel/2010910/watchlist-julia-rothmund.html

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